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Der Hamburger. Kochend ins Glück!


Der Hamburger

Kochend ins Glück!

Mit dem Rezept lenkte Heidi Bereuther einst ihr eigenes Leben zurück in bessere Bahnen. Jetzt führt sie auf diese Weise Menschen zusammen, die sich vorher noch nie sahen. »Cooking & Community« nennt die quirlige Eventmanagerin ihren auf Anhieb gelungenen Single-Treff.

War es das Zucchini-Carpaccio? Das Wiener Schnitzel mit Kartoffelstampf, ein echtes »Herz-Seele Essen«, wie Heidi Bereuther sagt? Oder ist es doch den dampfenden Hefebuchteln mit Pralinensoße zu verdanken, dass die meisten Damen und Herren, die sich erst seit ein paar Stunden kannten, nach dem Abend im Kochstudio noch bester Laune durch die Bars zogen? Woran auch immer es nun lag: Ohne die Organisatorin dieses »Kochdates« hätten es weder das köstliche Menü noch die vielen spannenden Begegnungen jemals gegeben. Und so freut sich Heidi Bereuther besonders, dass sie nach der »Cooking & Community«-Premiere nicht nur als Vermittlerin von Kontaktdaten fungieren darf, sondern sogar eingeladen ist, wenn einige Teilnehmer im privaten Rahmen erneut die Kochlöffel schwingen.

»Das hat irre viel Spaß gemacht, das biete ich ab Mitte Januar regelmäßig an«, hat Heidi Bereuther entschieden. Spontan die Kochteams zusammenstellen, für Bewegung in der Gruppe sorgen und schweigsamen Vertretern auch mal unmissverständlich sagen, dass sie die Zähne auseinanderkriegen dürfen – mit Aufgaben wie diesen ist die 48-Jährige in ihrem Element. Vielleicht ist ihre direkte Art nicht jedermanns Sache. »Ich kann vorpreschen wie tausend Russen«, sagt sie, und man weiß sofort, dass man das lieber nicht erleben möchte. Doch wer Events für bis zu 1.000 Personen über die Bühne bringen will, muss schon mal Klartext reden. Auf der anderen Seite ist da aber auch ganz viel Feingefühl. Bei der Essensausgabe in der Altonaer Obdachlosen- Tagesstätte »Mahlzeit« zum Beispiel. Zweimal hat Heidi Bereuther dort bereits ehrenamtlich gekocht; Küchenchef »Ede« und die Gäste sind ihr ans Herz gewachsen, weitere Einsätze folgen, verspricht sie. Außerdem sei sie eine große Romantikerin mit einer Schwäche für theatralische Opern und dafür, dass der Herr einer Dame auch mal die Tür aufhält.

Doch zurück zur »Kocherei«: Die begleitet Heidi Bereuther durchs Leben, wobei sich die Begeisterung zunächst in Grenzen hielt. »Wir waren sieben Kinder, deshalb musste meine Mutter unheimlich viel in der Küche zugange sein.« Später jedoch werden Kochen und Essen zu einem wichtigen Stück Lebensqualität: »Zu WG-Zeiten habe ich das schätzen gelernt. Gemeinsam in der Küche haben wir die Zeit viel schöner verbracht als in irgendwelchen Discos« Vom heimatlichen Flensburg aus geht es zunächst zum Kellnern nach Sylt, dann ins Kleinwalsertal. Ihr damaliger Freund aus Tirol und sie sind als Duo in der Gastronomie gefragt, im Sommer in Südtirol, im Winter in den Skigebieten. Zwischendurch wurde am eigenen Haus gebaut. »Aber irgendwann wurde mir das Leben in Österreich zu eng, ich musste weg. Außerdem hatte ich immer Heimweh und heulte jedes Mal, wenn Verwandte zu Besuch kamen.« Also ging es zurück Richtung Norden, bis nach Hamburg – der letzten Metropole vor Flensburg.

In Hamburg kommt der Name Bereuther ins Spiel: Viele mögen sich noch erinnern an das gleichnamige Lokal in Eppendorf, einst Szenetreff schlechthin, sowie an Inhaber Manuel Bereuther, heute Ex-Mann von Heidi Bereuther. So heißt sie auch nach der Scheidung, was ihrer Firma »Die Bereutherin« angesichts des Bekanntheitsgrads des Namens in Gastrokreisen nicht schadet. Es fällt schwer zu glauben, in welch tiefes Loch sie einst fiel, als ihr Mann sie und das sieben Monate alte Kind verließ – sie, die beim Fotoshooting herumalbert, von einer Sekunde zur anderen vom Tirolerdütsch ins Platt wechselt und liebend gern »trallala und hopsasa« sagt, wenn die Ideen im Gespräch mal wieder übersprudeln. Zum Glück gab es Angela Debes, Coach und gute Freundin: »Du kochst so toll, dafür musst du jetzt Geld nehmen.« Bald darauf kam der erste Auftrag: Catering für 40 Personen und bitte die Wildsau aus der Kühltruhe des Chefs mit verarbeiten. »Kein Problem«, bluffte Heidi Bereuther und verbrachte die halbe Nacht im Internet, um Tipps für die erste Wildschweinzubereitung ihres Lebens zu finden. »Ich habe dann eine Babybadewanne gekauft, die zerteilte Sau zwei Tage in eine Beize gelegt, und am Ende hat es super geschmeckt«

Das war 2006. Seitdem geht es voran, mit klassischem Catering, mit Veranstaltungen – »wenn ich eines kann, dann organisieren« – und mit immer neuen Ideen. Wie dem »Gourmet Liner «, einem exklusiven Restaurant auf Rädern. Der edle Doppeldeckerbus bietet Platz für 36 Gäste und eine topausgestattete Küche. »Damit rund um die Alster fahren und bei Zwischenstopps ein super Dinner genießen – das ist doch ein Traum für Hamburg«, sagt Heidi Bereuther, die das Luxusgefährt für Kunden in die Hansestadt holt. Vielleicht sieht man Heidi Bereuther irgendwann auch in einem Imbisswagen. Nicht beim Verkauf von Currywurst und Pommes wie einst ihr Vater, der hart schuftete, um seine große Familie zu ernähren, sondern mit frischen, gesunden Mahlzeiten. Das Konzept wird unter dem Arbeitstitel »Fast- Good« gerade entwickelt.

Zu Hause in Alsterdorf wird gern viel Zeit ins Essen investiert. »Das mache ich auch für Louis; der liebt es, wenn ich eine Dorade mit Kräutern in den Ofen schiebe«, so Heidi Bereuther. Hin und wieder gibt’s auch mal eine Auster, die der Elfjährige begeistert schlürft. Heidi Bereuther mag es gern auch mal rustikal, genießt Wochenendausflüge in den nahen Duvenstedter Brook mit Einkehr in einen Landgasthof. »Da schlage ich mir dann richtig den Bauch voll und dann geht’s zu Hause ab aufs Sofa – herrlich!«

Foto Maurice Kohl | Text Anneke Fröhlich